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Marokko – Die Geschichten von 1000 und einem Trail

Die drei Männer und begeisterte Radfahrer Paul Freudenmacher, Bernd Wagner und Steffen Kirsch hatten den Plan eine Reise nach Marokko zu unternehmen. Dieses Ziel behielten sie steht`s im Auge und nahmen es anfangs diesen Jahres in Angriff. Neben den sehr schönen Bildern, die sie aus diesem Trip mitgebracht haben, erzählen sie in ihrer Geschichte von ihren Erlebnissen und Erfahrungen. Somit wollen wir natürlich euch ihre “Geschichten von 1000 und einem Trail” jetzt präsentieren.

1. Tag

Steffen:
Endlich! Morgen früh fliegen wir nach Marokko. Morgen früh? Eigentlich mitten in der Nacht!
Abflug 7.00 Uhr das bedeutet 3.30 Uhr los fahren, also um 3 Uhr aufstehen. Da bleib ich lieber gleich wach…
Mein Telefon klingelt. Bernd hat beschlossen, nun doch direkt nach der Arbeit in München los zu fahren und versucht ohne einzuschlafen bei mir anzukommen.
Ich bereite die Espressomaschine auf Überstunden  vor.
Haben wir eigentlich einen Plan? Nein! Cool!
Da es nicht wirklich gutes Kartenmaterial gibt und schon gar keine markierten Wege oder Pfade, brauchten wir auch keinen.

Abfahrt!
Noch Paul und Claus einsammeln und los gehts !

Am Flughafen angekommen, gönnen wir uns ein Frühstück. Kurze Zeit später stoßen  Frank und „Hombre“ Reinhold zu uns. Komplett!
Unser Flugzeug ist, dank der Uhrzeit, fast leer, sodass jeder von uns eine ganze Reihe für sich hat. Schlafen!
Als ich die Augen wieder öffne befinden wir uns schon im Landeanflug auf Marrakesch.
Der Zollbeamte besteht darauf, dass wir ein Hotel ins Einreiseformular eintragen. Da wir keines haben, gibt er uns einen Hotelnamen in Marrakesch, den wir benutzen sollen. Das Formular wird umgehend „korrekt“ ausgefüllt.Was sein muss, muss sein!

Mietwagen in Empfang nehmen, Einkaufen und ab in die Berge. Denken wir! Das Einkaufen gleicht eher einer Plünderung: Unmengen an Wasser, Nudeln und Gemüse, nicht zu vergessen leckere Schokoriegel und Kekse. Wir stopfen die Einkäufe irgendwie in die schon gnadenlos überladenen Geländewagen. 6 Personen, 6 Biketaschen, Rucksäcke, Zelte und diverse Ersatzteile befanden sich vor dem Einkauf bereits in den Autos. Mit Spanngurten verzurren wir den Rest einfach aufs Dach!
Am Fuße des Atlas Gebirge angekommen, folgen wir zuerst der Straße entlang des Ourika-Tals. Irgendwann  biegen wir von der Hauptroute ab, um tiefer in die Berge zu kommen. Auf der Suche nach einem Platz zum Schlafen machen wir alle gleichzeitig eine Entdeckung: Den Perfekte Lagerplatz! Platz für drei Zelte und die Autos, von keiner Seite einsehbar, im Schutz eines kleinen Kiefernwäldchens und eine herrliche Aussicht in wunderschöne Täler. Hier bleiben wir!
Was zeigt der Höhenmesser? 1800 Meter! Könnte frisch werden in der Nacht!

Paul:
Während die anderen sich gemütlich  einrichten, habe ich nur diesen einen Hang vor meinen Augen, den ich ca. 200m von unserer neuen Heimat, auf der Herfahrt, gesehen habe. Da gibt’s nur eins, schnell das Rad zusammenbauen und den Helm suchen. Wo ist die Hose, Knieschoner, Handschuhe? Na egal, das geht auch in Jeans und T-Shirt. Ja, richtig gehört, hier hat´s abends noch knapp 20 Grad. Erste Abfahrt, steiler als gedacht aber freie Linienwahl und Hinterraddrifts ohne Ende, geil! Marokko gefällt mir schon jetzt! Doch auch in Marokko wird’s im Winter um halb 6 dunkel. Also runter vom Bike, schleunigst das Zelt aufbauen den Anderen helfen die Feuerstelle zu errichten und Holz zu suchen. Gar nicht so einfach, der Wald ist wie leer gefegt. Alles Brennbare wird sorgsam aufgelesen.
Abends Grillen wir die mitgebrachten  Würstchen und vernichten Unmengen an Baguette, bevor wir todmüde in den Schlafsack kriechen.

2. Tag

Steffen:
Am nächsten Morgen bin ich der Erste, der aus dem Zelt kriecht, Feuer wieder entfachen und  aufwärmen. Es dauert noch, bis die Sonne über den Kamm kommt und uns mit ihren Strahlen verwöhnt. Hm, an den Kaffee muss ich mich erst noch gewöhnen. Um Gewicht zu sparen, musste ich leider meine Reise-Espressomaschine zu Hause lassen und nun dieses „Instand-Zeug“ trinken. Wasser aufsetzen, Pulver rein und umrühren, igitt! Gemütlich beginne ich die Umgebung zu  erkunden. Während die Anderen noch schlafen, finde ich den ersten Trail! Yes!
Nach dem Frühstück brechen wir auf, um dem am Morgen gefundenen Trail zu folgen. Mal schauen, was uns da erwartet!
Fahren, tragen, fahren, tragen! Oben angekommen: Wow! Was für eine Aussicht!  Marokko war ‘ne super Idee! Unter uns liegt das Paradies! Doch wir werden recht schnell von der Realität wider eingeholt, denn Bernd hat seinen linken Knieschoner verloren, aber die Suche ist vergeblich!
Auch die ersten Plattfüße lassen nicht lange auf sich warten.
Die Abfahrt schlängelt sich durch ein kleines, idyllisches Dorf am Rande eines Tales. Und schon wieder erwischt es Bernd: Schaltauge, Schaltwerk und 3 Speichen verreckt! Das fängt ja gut an…

3. Tag

Steffen:
Bernd, Paul und ich machen uns auf den Weg, die gegenüberliegenden Gipfel zu erklimmen. Frank und Reinhold versuchen einen Weg von der anderen Seite auf den Kamm zu finden.
Wieder Plattfüße! Verdammte Kakteen, Brombeeren, Disteln, hier ist aber auch jeder Strauch stachelig.
Nachdem wir uns über einen Karrenweg nach oben geschraubt haben, stehen wir plötzlich vor einer schier endlosen Steilwand. Was tun? Da müssen wir rauf! Nach kurzer Überlegung und Studie der besten Linie, schultern wir unsere Bikes und beginnen mit dem Aufstieg. In der Hälfte angekommen wird uns klar, dass wir diese Route auf gar keinen Fall mehr zurück können/wollen. Mal sehen was uns oben erwartet. Nach ca. 600hm Tragepassage stehen wir am Gipfel. Gipfel? Nein! Wir stehen am Anfang eines verwunschenen Hochtals, im Hintergrund ragen die 4000er schneebedeckt in die Höhe. Das wäre ein noch perfekterer Lagerplatz, bloß kommt man leider nicht so einfach hin! Wir setzen uns auf einen Felsen und saugen die Atmosphäre in uns auf. Jetzt müssen wir uns einen Überblick über mögliche Abfahrten verschaffen. Viele Möglichkeiten gibt es nicht. Nach kurzer Diskussion begeben wir uns in eine recht „tricky“ Abfahrt. Angedeutete Ziegenpfade zeigen uns den Weg durch loses Gestein. Der Trail führt uns durch eine Steilwand ins nächste Tal. Angefeuert durch die Ziegenhirten, ein paar hundert Meter unter uns, kämpfen wir uns durch die doch sehr technisch anspruchsvollen Passagen nach unten. Yeah, die Arme sind vom Bremsen und puschen der Räder um ein Vielfaches angewachsen…
Total entkräftet aber sehr, sehr glücklich erreichen wir die Straße im Tal. Nur noch 8 km bis zu unserem Lagerplatz, das zieht sich. Die Rettung für unsere müden Körper naht in Form eines Straßenkiosk, an dem wir in 60sec. eine 1-Liter-Flasche Cola in uns hinein schütten. Zucker!
Bevor wir weiterfahren, wagen wir die Frage nach Bier. Als Antwort bekommen wir nur ein mitleidiges Lächeln mit der Aussage: „Bier?! Ist hier verboten!“ Ach ja, Marokko, ich vergaß!

4. Tag

Steffen:
Frank und Reinhold fahren mit dem Auto runter ins Tal um einzukaufen. Beim Warten auf die Beiden keimt in Bernd und mir die Idee uns heute mal „shutteln“ zu lassen. Nach kurzem betteln bringt uns Frank bis kurz unter den Gipfel. Doch um diesen u erklimmen, heißt es erst mal wieder: tragen! Die tolle Aussicht entschädigt uns mal wieder für unsere Qualen. Noch ein bisschen Fotografieren und ab in die Abfahrt über eine gefrorene Schneeflächen bis zum Stausee. Der Rest der Abfahrt geht leider über Asphalt bis zum Abzweig der uns wieder zu unserem Lagerplatz führt. Doch noch einmal hoch kurbeln. Dabei wollte ich heute so wenig hm wie möglich machen.

Paul:
Irgendwie war ich noch nicht zufrieden mit dem Gelände. Zu viel hochalpines, teils langsames und technisches Steingeballere. Und da war dieses Gebiet das wir am 2. Tag von oben gesehen haben. Es sah nicht zu steil aus, kaum Büsche, sandig!? So verlockend das „shutteln“ der Anderen war, das muss ich mir anschauen. Doch wie komm ich da zum Teufel hin?  Keine Ausrede suchen, sondern Zeug packen und los. Auf einer Schotterstraße ging es bis zu einer Baustelle. Verdammt, darf man da durch? Naja egal, einfach mal fahren bis jemand was sagt. Nach 200hm entlang der Straße, die gerade im Bau ist, lichtet sich das Gestrüpp und ich beschließe kurzerhand einfach rechts abzubiegen und den erst besten Hang unter die Stollen zu nehmen. Bremsen auf und los geht’s. Wow, Slalom um Büsche, Wasserrinnen als Achterbahn, staubige Drifts, speeeeeed, Freiheit. Also hochschieben nochmal! 300m nach links, runter, hochschieben, runter, Pause hochschieben,…
Wie lange brauche ich eigentlich bis heim? Mist, lieber mal los, aber den Hang nehm ich noch mit!
Eins ist klar, am nächsten Tag muss ich mit den Anderen da hin!
Wie jeden Abend kochen wir alle zusammen am Feuer und genießen unser Bier: 1 Bier pro Abend für jeden. Da lernt man ein Bier mal wieder richtig zu schätzen!

5. Tag

Paul:
Gleich nach dem Frühstück brechen wir auf, um alle gemeinsam in das gestern entdeckte Gebiet zu fahren. Mal gespannt, was der Rest der Truppe dazu sagt. Nach kurzem gemaule über die Vernichtung kostbarer Höhenmeter über die sich im Bau befindliche Straße haben auch die Anderen Blut geleckt. Wow, ist das ein geiles Gelände, gleich nochmal hochschieben. Allmählich gesellt sich eine Horde Kinder zu uns. Komische Menschen mit komischen Fahrrädern sind da in ihr Tal gekommen. Ob sie so etwas schon mal gesehen haben? Und diese Fotoapparate, verrückte Geräte.
Wir beschließen das Gebiet weiter zu erkunden. Mal die Kinder fragen wie man durch das Dorf auf den anderen Hügel kommt. Begleitet von einer Herde rumtollender Kinder bahnen wir uns unseren Weg durch die engen, verwinkelten Gassen. Nach kurzer Zeit werden wir zu einem Berber in sein beschauliches Haus eingeladen. Bernd, Steffen und ich lassen uns nicht zweimal bitten. Der Herr des Hauses kocht für uns in einer Zeremonie den traditionellen marokkanischen Pfefferminztee. Dazu bekommen wir Fladenbrot mit Olivenöl und gekochte Eier mit Salz und Koriander, lecker. Doch Achtung, Hände vor dem Essen wachen! Das hatten wir nach 5 Tagen ohne Wasser schon vergessen und sorgten somit für eine Stimmungsaufheiterung.
Doch nach einem Abschlussfoto galt es für uns wieder aufzubrechen. Wir wollten ja schließlich noch Radfahren!
Entlang eines Kammes, teils auf Ziegentrails teils frei, gleiten wir dahin. Traumhaft, der Untergrund rollt super, leichte Wellen, Kurven, Anlieger, Buschslalom (Achtung, von Eseln gerne für die Rast aufgesucht), fast wie ein Pumptrack, nur endlos lang. Wie kommen wir eigentlich zurück? Ach egal noch hier runter und dann schauen wir mal weiter.
In der letzten Helligkeit treten/tragen wir die Straße Richtung Zeltlager wieder hoch. Verdammt, das kostet Körner. Aber die Anstrengung war es wert. Mit letzten Kräften noch was zu essen kochen und danach am Feuer den Tag ausklingen lassen. Das Leben ist schon verdammt hart.

6.Tag

Paul:
Wieder ins gelobte Tal, aber zwei /drei andere Kämme entlang. Dahingleiten lassen, den letzten Tag auf dem Rad genießen, in der Sonne die traumhafte Landschaft genießen, Sonne tanken und hier und da ein bisschen rumspielen. Die Farbwechsel sind immer wieder atemraubend. Schwarzgrauer Split wechselt sich ab mit Gelbem, Rotem und teilweise fast Violettem. Das Ganze ist durchzogen von einem endlosen Netz aus kleinen und großen Erosionsrinnen, die die wellige Landschaft zerfurchen. Wie sieht es wohl hier aus wenn es regnet? Macht es ja zum Glück fast nie! Groteske, von Ziegen und der dürre geformte Bonsai-Büsche verleihen der Atmosphäre etwas Geheimnisvolles, Verwunschenes. Wow, ist das schön hier. Trotz schwerer Beine sitzen wir, bis die letzten Sonnenstrahlen hinter den Gipfeln verschwinden, auf dem Rad. Es macht zu viel Spaß um  sich das entgehen zu lassen.
Am Zeltplatz angekommen werden wir von Frank und Reinhold mit einem Barbecue und kühlem Bier überrascht. Das hätten wir uns nicht zu träumen gewagt. Also schnell raus aus den Bikesachen, warm einpacken und den letzten Abend unter einem traumhaften Sternenhimmel genießen.

Die letzte Nacht in den Bergen. Zum ersten mal haben wir so etwas wie Luftfeuchtigkeit, gefolgt von Frost. Die einzige Nacht unter 0°.  Am Morgen sind die Außenzelte gefroren. Heringe raus und in die Morgensonne gestellt. Erst  noch abtauen lassen bevor wir sie verpacken.
Den letzten Tag verbringen wir in Marrakesch, gönnen uns nach einer Woche reduzierter Körperpflege, genaugenommen war außer Zähneputzen nichts drin, ein Hotel! Duschen ist schon was Feines! Manchmal der größte Luxus! Nach etwas Ausruhen, fahren wir in die Stadt, zum Djemaa el Fna, dem Platz der Gaukler mit seinen Schlangenbeschwörern, Zauberern, Musikanten und Imbissständen und wagen uns in das Labyrinth der  Souks.
Hunderte von Ständen und kleine, enge, unübersichtliche Gassen. Die aufdringlichen  Händler vermiesen uns jedoch das ungezwungene stöbern in den Ständen. Nach Tagen der „Freiheit“, ist uns das Gedränge einfach nicht geheuer!
Anschließend besuchen wir noch ein traditionelles Hamam und lassen es uns richtig gut gehen! Wie Gott in Marokko eben, oder war das Frankreich?

7. Tag

Die Tage sind irgendwie an uns vorbei geflogen.
Jetzt heißt es abschied nehmen!
Das Taxi, das uns zum Flughafen bringt, ist ein alter Mercedes Benz mit 1,5 Mio. km, laut Fahrer.

Resümee des Trips: Unzählige Plattfüße, 3 Speichen, 1Schaltwerk, 1 Kette, 2 Schaltaugen zerstört und 1 Knieshoner verloren!
Coole Truppe und  ultra viel Spaß auf feinsten „Ziegen-Trails“, nette Menschen und auch einige „Schlitzohren“.
Marokko ist mehr als nur eine Reise wert!

Vielen Dank Paul Freudenmacher, Bernd Wagner und Steffen Kirsch für diesen tollen Beitrag!

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