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Ein bittersüßes World Cup Wochenende in Leogang

Ein kleiner Schnitzer und man ist weg vom Fenster

Ein mancher möchte meinen, dass man im Zieleinlauf der Streif steht, wenn man in Leogang beim Downhill World Cup eincheckt. Der Kommentator brüllt Superlative in die Berglandschaft und das Bike-Verrückte Publikum schlägt mit Lenkern auf zerdellten, alten Laufradfelgen ein, um möglichst viel Krach zu machen. Willkommen in Saalfelden-Leogang, die Heimat des Bikes.

Zum achten Mal kehrte die Welt des Downhill Mountainbiking zurück nach Saalfeld Leogang, neue Streckenabschnitte und 23.000 Fans sorgten für eine grandiose Kulisse. Am Ende des Tages gab es einen sprachlosen Franzosen, der seinen zweiten Saisonsieg einfuhr, eine Rückkehr zum Downhill-Thron bei den Frauen und eine überglückliche Lokalmatadorin, die bei den Junioren ihren ersten Weltcupsieg auf heimischem Boden feierte.

Bilder: Red Bull Content Pool // Bartek Wolinski
Crankbrothers

Rachel Atherton bei ihrem 35. Worldcup Sieg in Leogang
Obwohl die Quali nichts gutes für Rachel vorhersagte, sicherte sich die Britin dann doch den Sieg

Wer kann die Nerven behalten?
Aber es ist genau diese kleine Linie zwischen sauber fahren und die Geschwindigkeit bis zum Äußersten ausreizen und nicht zu viel wollen. Luca Shaw, Sieger der Qualifikation und Tahnée Seagrave mussten diese Erfahrung am eigenen Leib spüren. Luca wollte zu viel und stürzte, Tahnée überschoss einen Sprung und landete außerhalb des Tapes. Somit musste sie ihren 3. Platz an Tracey Hannah abgeben und die junge Britin wurde disqualifiziert.
Da Rachel Atherton in der Qualifikation auf Platz 16 ins Ziel kam, musste die Seriensiegerin zu anfangs starten. Ihr perfekter Run lieferte ihr eine lange Zeit auf dem Hot Seat. Sie selbst berichtet, dass es ein ziemlich nervenaufreibendes Erlebnis war, das ganze Feld vom Hot Seat aus zu beobachten. Denn normalerweise startet Rachel als eine der letzten vom Berg und kann ihre Konkurrentinnen so nicht im Zieleinlauf beobachten. Myriam Nicole wollte Rachels Zeiten toppen und erlaubte sich dann aber in der steilen, unteren Waldsektionen einen zeitkostenden Schnitzer, der die Franzosen auf Platz 2 abschob.
Rachel Atherton: „Es war keine einfache Woche. Wenn man stürzt, bekommt man es ein wenig mit der Angst zu tun, aber ich wollte es heute ausblenden, einfach fahren und ohne Sturz unten ankommen. Es war ein wenig komisch heute so früh ins Rennen zu starten, aber irgendwie war es auch ganz schön. Ich war mittendrin und es war cool vom Hot Seat aus das Rennen zu verfolgen. Ich bin sehr erleichtert und Leogang hat super viel Spaß gemacht. Vielleicht komme ich in ein paar Wochen nochmal für ein paar Tage vorbei.“

Das Podium der Damen: 1. Rachel Atherton 2. Myriam Nicole 3. Tracey Hannah 4. Monika Hrastnik 5. Emilie Siegenthaler
Myriam Nicole war heiß auf den Sieg, leistete sich allerdings in dem unteren technischen Waldsektion einen Schnitzer.

Junioren
Auch Vali Höll leistete sich einen kleinen Fehler. Die 16 Jährige Lokalmatadoren aus Saalbach-Hinterglemm, was direkt nebenan von Leogang liegt, stürzte in ihrem Racerun. Trotzdem konnte sie sich 15 Sekunden vor der 2. Platzierten sichern und wäre trotz Crash auf dem 7. Platz in der Elitewertung gelandet.

„Im Rennen hat es mich leider einmal geschmissen. Jeder an der Strecke hat geschrien „Lass die Bremsen offen!“, also habe ich es gemacht und dann bin ich weggerutscht (lacht). Ich habe einfach nur gedacht „Scheiße, bitte nicht in Leogang!“, aber es ist noch super ausgegangen. Ich bin mega happy!“

– Vali Höll

Nach dem die Zuschauer schon auf Temperatur gebracht worden waren, sorgten die Junior Men für ein absolutes Herzschlagfinale. Kye A`Hern aus Australien fuhr einen nahezu perfekten Run in Leogang und darf sich nun das Leaderjersey anziehen. Kye siegte mit 0,05 Sekunden Vorsprung vor Thibaut Daprela (FRA), was sicherlich zu den knappsten Entscheidungen in der Geschichte des Downhillsports gehört.

Vali Höll, der Name ist Programm
Trotz eines Sturzes konnte Vali 15 Sekunden Vorsprung rausfahren und wäre 7. in der Elite Damen

Männer
Die Wolken über dem Finale der Männer verheisten nichts gutes. Die Stimmung am Startgate war gespalten, ob es nun regnen wird und die Strecke zu einem Disaster machen würde oder ob das Wetter halten wird. Aber die Sonne schob sich durch die dunklen Wolken hindurch.
Bereits das Qualifying, in dem weniger als eine Sekunde die ersten vier Fahrer trennte, deutete auf einen Krimi hin. Charlie Harrison (USA) ließ sich nach einem sehr guten Run im Bikepark Leogang auf den „Hot Seat“ nieder. An seiner Zeit bissen sich die folgenden Fahrer zunächst die Zähne aus. Erst Michael Jones (GBR) war in der Lage Harrison zu bedrohen. Mit einer kreativen Linienwahl und einer hohen Geschwindigkeit machte sich Jones vom Start weg daran, die Zeit des Führenden zu unterbieten. Sowohl auf dem Motorway als auch in den technischen Passagen baute er seine Führung aus und setzte sich letztendlich mit 1,5 Sekunden-Vorsprung an die Spitze des Tableaus.

Jetzt war der Brite an der Reihe auf dem „Hot Seat“ nervös zu werden. Den folgenden sieben Fahrern gelang es allerdings nicht ihn zu verdrängen. Aber dann machte sich Leogang-Liebling, Aaron Gwin (USA) auf dem Weg ins Tal, in der Hoffnung trotz Daumenverletzung mit einem vierten Leoganger-Sieg in vier Jahren Geschichte zu schreiben. Mit neugewonnenem Selbstbewusstsein nach dem morgendlichen Training, wo er aufgrund seines Daumens erstmals so richtig an seiner Linienwahl feilen konnte, schoss der Amerikaner durch die ersten Sektionen. Die Farbe Grün begleitete stets die Split-Zeiten und der Kalifornier setzte sich souverän mit 1,8 Sekunden Vorsprung an die Spitze des Feldes. Es folgten nun bange Minuten als die Top 10 schnellsten Fahrer die Strecke unsicher machten. Laurie Greenland (GBR) und Troy Brosnan (AUS) schnupperten an der Führung blieben jedoch jeweils um 0,7 bzw. 0,8 Sekunden hinter Gwins Zeit zurück.

Mit nur noch drei Athleten oben am Start schien es so als wäre Gwins Lauf tatsächlich einer für die Geschichtsbücher. Dann trat Amaury Pierron (FRA) kräftig in die Pedale. Mit viel Rückenwind nach seinem Premieren-Sieg in Fort William machte er sich an die Aufgabe eine Siegesserie zu starten. Als die erste Zwischenzeit im Zielbereich aufleuchtete, wurde es laut. Der Franzose lag in Front! Aber nicht lange… Im zweiten Sektor verlor Pierron kostbare Zeit, die Zwischenzeiten leuchteten im Ziel wieder Rot, was für Raunen sorgte. Dann zündete er auf dem Motorway den Turbo, holte Meter für Meter auf und lag nach dem vierten Split wieder in Führung. Die technischen Passagen im untern Streckenteil schienen für ihn keinerlei Hindernis darzustellen. Mit 0,5 Sekunden Vorsprung entthronte Amaury Pierron Aaron Gwin! Doch würde das reichen? Brook MacDonald (NZL) war nicht in der Lage Pierrons Premieren-Sieg in Leogang zu verhindern, aber bei Luca Shaw (USA) wurde es nochmal eng. Der Amerikaner war nur ein Bruchteil einer Sekunde im Hintertreffen und es deutete alles auf ein erneutes Herzschlagfinale hin. Aber kurz vor dem letzten Drop bevor es auf die Ziellinie zuging, verlor Luca Shaw die Kontrolle und stürzte. Damit war Pierrons erster Weltcup-Sieg auf dem „Speedster“ in Leogang besiegelt.

Amaury Pierron

„Hier gleich nach Fort William wieder ganz oben auf dem Podest zu stehen, ist einfach der Hammer. Ich freue mich für mein ganzes Team, aber mir tut es auch Leid für Luca Shaw. Er hatte wieder die Pace, um ganz oben mitzufahren… Ich habe ein paar Fehler, in der ersten Kurve und kurz vor dem Motorway, gemacht, also musste ich dann alles aus mir rausholen, um wieder auf Geschwindigkeit zu kommen. Ich bin unglaublich glücklich!“

Wie kam es zu Luca Shaws Sturz?

1. Amaury Pieron 2. Aaron Gwin 3. Laurie Greenland 4. Troy Brosnan 5. Loris Vergier
Das war ein bitteres Ende für Luca Shaw. Der Amerikaner gewann die Quali und stürzte im Finale
Loris Vergier
Laurie Greenland auf Platz 3 vom MS Mondraker Team
Kye A'Hern ist auf einem Sieges Trip bei den Junioren
Niemand war schneller als Amaury Pieron, 2 Siege in Folge und nun das Leaderjersey
Tahnée Seagrave wurde disqualifiziert, weil sie die Strecke verließ.
Finn Iles stylt was das Zeug hält

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