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XCE Profi Vitus Wagenbauer macht aus Zitronen Limonade

Der Sprinter Vitus Wagenbauer muss Schwäche auf die harte Tour eingestehen

Als Vitus Wagenbauer das Büro betrat, kam ein gestandener Mann hereinspaziert, typisch bayerisch, stabil und muskulös. Vitus ist ein Erscheinungsbild, nicht nur in unserem kleinen Dirt Office, sondern vor allem auch im Cross Country Eliminator. Seit 4 Jahren ist der gebürtige Fischbachauer nun schon im internationalen World Cup Circus erfolgreich unterwegs, doch in 2018 musste er sich eingestehen, dass man nicht immer Vollgas geben kann.

Fotos: Moritz Huber, Thomas Weschta

Vitus Wagenbauer bei der WM in Chengdu in 2017

Eine super erfolgreiche Saison 2017
Vitus ist ein bodenständiger Sportler. Er weiß, wo seine Wurzeln sind und versteht auch, dass es neben dem Sport ein mindestens genauso schönes Leben gibt. Der fleißige Bayer arbeitete schon im jungen Teenageralter immer wieder im elterlichen Betrieb mit und startete im Herbst 2017 mit seiner Meisterausbildung neben seiner Arbeit als Zerspannungsmechaniker. 2017 feierte Vitus eines seiner erfolgreichsten Saisonen. Er wurde 6. bei der Europameisterschaft und belegte den 11. Platz bei der Weltmeisterschaft in Chengdu. Von diesem Erfolg hoch motiviert nahm er sich vor, in 2018 sein Potential noch mehr auszuschöpfen. Doch dann kam das Schicksal dazwischen.

Vitus Wagenbauer ist ein bodenständiger, ehrlicher Rennfahrer, der weiß, wo seine Wurzeln sind.
Vitus ist nach seinem Meister nun Geschäftsführer im elterlichen Betrieb.

Wenn das Leben dazwischenkommt…
Dass Vitus eben doch kein Superhero ist und neben Meisterschule, Privatleben und Arbeit den Leistungssport vernachlässigte, merkte er schon früh in der Saison 2018. Das Leben hatte ihn eingeholt und beim französischen Eliminator Cup in Marseille wurde er auf die Zuschauerbank verbannt. Der sonst so fitte Vitus war so gar nicht in Form und ging mit ungewohnter Unkonzentriertheit ins Training in Marseille an den Start. Er hatte sich zuvor im Krafttraining einen Nerv im Rücken eingezwickt, welcher sehr schmerzhafte Auswirkungen hatte und keine optimale Kraftübertragung in den Beinen zuließ. Er pausierte daraufhin und Ärzte und Therapeuten haben lange nicht herausgefunden, an wo seine Schwäche plötzlich herkam.
Im Juni startet Vitus, wie jedes Jahr, beim Bobbahnsprint in Innsbruck. Dieses 4min Rennen gegen Sportgrößen wie den Weltmeister Daniel Federspiel ist eine gute Möglichkeit seinen Standort im Ranking auszuchecken und seine Fitness zu testen. Vitus war nicht bei der Sache und vergas sogar seine Racebekleidung. Dass ihm Daniel dann noch 30 Sekunden auf einer 4 Minuten langen Strecke abnahm, gab Vitus den Rest.

 

Die deutsche Meisterschaft in Kirchzarten steht unter einem dunklen Stern
Das Schicksal war Vitus gegenüber auch in der zweiten Hälfte von 2018 nicht gnädig gestimmt. Endlich hatte er die Meisterprüfung als Industriemeister Metall bestanden, doch seine Form musste wegen der Büffelei leiden. Trotzdem startete er bei der deutschen Meisterschaft in Kirchzarten. Normalerweise wird vor dem Training die Strecke abgenommen und sodann nicht mehr verändert. Das erleichtert es den Athleten die Strecke optimal zu adaptieren, um das Meiste heraus zu holen. Doch in Kirchzarten nahmen Streckenposten eine Stunde vor dem Qualilauf Holzlatten von Treppenstufen weg und Vitus wusste nichts davon. Als er dann um die Ecke bog verließ er sich darauf, die Treppenstufen mit den Holzlatten darauf zu meistern und passte auch dementsprechend seine Geschwindigkeit an. Mit Schwung krachte er auf die Treppenstufen, und hätte sich neben einem platten Reifen fast noch die Felge ruiniert und das so kurz vor dem Qualilauf. Unkonzentriert legte er einen schlechten Qualirun hin und rutschte im Achtelfinale in Führung liegend im Sand vor weiteren Treppenstufen weg. Daraufhin musste er vom Bike abspringen und die Stufen laufen. Dass ihn nach diesem Fahrfehler das Fahrerfeld von hinten aufräumte, war klar und machte seine Saison vollkommen.

Vitus lernt auf seinen Körper zu hören und Signale nicht zu überhören
Vitus Sommer war mit Krankheit und Pech geprägt. Ein Bluttest ergab, dass sein Körper so geschwächt war, dass er auf sämtliche Stoffe Unverträglichkeiten aufzeigte. Dass dies eine Gegenreaktion seines Körpers gegen den Stress und die Unvernunft war, musste er dann auf die harte Tour eingestehen. Erst als er im Juli geliebäugelt hatte an der WM zu starten und sich dann aber dagegen entschied und sich einer homöopathischen Kur unterzog, fing sein Körper an sich zu erholen.

Um nicht untätig zu sein, startete Vitus am gleichen Wochenende wie die Weltmeisterschaft im Montafon an einem kleinen Testrennen. Er hatte die WM und alle anderen World Cup Rennen in 2018 bereits abgesagt, doch so richtig konnte er nicht glauben, dass man Erfolg eben nicht erzwingen kann. Er erkämpfte sich einen 4. Platz bei dem regionalen Rennen im Montafon, kassierte aber am Tag darauf im Marathon prompt die Antwort: er brach ein und wurde erneut krank.

Vitus weiß, wenn das Leben Zitronen bietet, mach Limonade draus!

Brasilien setzt der Saison die Krone auf
Dass Vitus die Saison 2018 endgültig abhaken konnte, realisierte er nach einer Reise nach Brasilien. Seine Kumpels, welche ihn beim Rennen unterstützen wollten, haben den Ort des Rennens „Conhongas“ missverstanden und buchten den Flug in die falsche Stadt. Der sympathische Bayer ist sehr darauf bedacht, neben den Rennen mehr für sich mitzunehmen als den ganzen Trubel um das Rennfeld. Er freut sich die Möglichkeiten zu haben, durch die Rennen, verteilt auf der ganzen Welt, mehr Kulturen und mehr von der Natur kennenzulernen. Der Spruch „Take nothing but pictures, leave nothing but footprints“ ist bei Vitus eingeschweißt und beschreibt seine Liebe zur Natur. Er machte das Beste daraus und genoss die Zeit mit seinen Freunden, trainierte und erholte sich bei gutem Essen aus argentinischen Steakrestaurants.

Freunde von Vitus planten die Reise nach Brasilien. Dass sie den Ort verwechselten und den falschen Flughafen auswählten, machte die Saison perfekt.

Und immer wenn der Mensch sein Leben plant, fällt im Hintergrund das Schicksal lachend vom Stuhl
Man kann nicht alles schaffen und Vitus hat eingesehen, dass auch er nur ein Mensch ist. Man darf sich nicht zu viel vornehmen und wenn einmal die Unruhe drin ist, kann man diese auch mit Gewalt nicht geradebiegen. Doch Vitus blieb nach all den Niederschlägen in 2018 stets positiv gestimmt. Er glaubt an seine Fähigkeiten und weiß, dass Ergebnisse nicht alles sind. Er liebt das aufregende Leben als Rennfahrer, doch genauso weiß er das Leben außerhalb der Flatterbänder zu schätzen. Tief drin in seiner Seele ist er ein Leistungssportler, jedoch läuft er nicht mit Scheuklappen durch die Welt und genießt das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Und genau diese Eigenschaft wird Vitus in 2019 die Kraft geben wieder vorne an der Spitze mitzumischen.

Pläne 2019

Als oberste Priorität setzt Vitus seine Gesundheit an. Er will mehr auf seinen Körper hören und Stress vermeiden. Natürlich strebt er Podien an und auf der Deutschen Meisterschaft will er mindestens mit einer Medaille nach Hause gehen. Genauso hoch motiviert geht er in den World Cup und setzt sich voll ein, alles zu geben. Bei seinem neuen Trainer Björn Kafka von way to win, weiß Vitus, dass er in guten Händen ist. Zu den Trainingsvorbereitungen von Vitus gibt es demnächst bei Dirt eine weitere Artikelserie. Stay tuned!

 

Am Ende des Tages lernt man sich selbst und seinen Körper im Sport besser kennen und die Highlights im Leben stellen nicht nur die Sekunden auf der Ergebnisliste dar. Für Vitus gibt es manchmal nichts Schöneres als einen Espresso doppio Macchiatto bei seiner Elisabeth im Café zu schlürfen und das macht den hervorragenden Sportler so herrlich sympathisch und bodenständig.

 

Vitus mit seiner Elisabeth

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