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Eine Transgender Geschichte im Downhill World Cup

Kate Weatherly vs. Anton Weatherly – eine tiefgründige Geschichte einer leidenschaftlichen Mountainbikerin.

Kate Weatherly ist neu im World Cup Downhill Circus. Sie gewann in 2018 den Neuseeländischen Meistertitel im Downhill in der Elite Damen Wertung mit einem Abstand von 13 Sekunden zur Zweitplatzierten Shania Rawson. Beim Crankworx – Downhillrennen in Rotorua wurde sie zweite hinter Tracey Hannah und in den Top Ten des DH World Cups ist sie auch nicht mehr wegzudenken.

Kate scheint wie plötzlich aus dem Nichts in die Elite eingedrungen zu sein, doch Kate hieß früher Anton und ist bei den Männern mitgefahren. Kate ist eine Transgender, doch sagt von ihr selbst, wenn sie alle verbläst, hört sie auf mit dem Sport. Eine tiefgründige Geschichte einer leidenschaftlichen Mountainbikerin.

Alles was Kate anstrebt ist Akzeptanz

Mit 16 Jahren auf die Diagnose einer Geschlechtsdysphorie hin, unterzog sie sich einer Geschlechtsumwandlung. Damals ist sie bereits Mountainbikerennen gefahren. Sie entdeckte das Fahrrad schon sehr früh für sich und seit dem 13. Lebensjahr ist sie dem Mountainbikesport komplett verfallen.

Ihre Mutter Liz Weatherly beschreibt diese Beziehung wie Liebe auf den ersten Blick.

„Ich liebe Rennen fahren und möchte auch die Beste sein, aber in meinem Körper glücklich zu sein ist wichtiger für ein langes und glückliches Leben“

– Kate

Da Kate sich schon in der Pubertät aufs Mountainbiken konzentriert hat, hat dies einen speziellen Reiz auf ihren Körper ausgeübt, der dazu geführt hat, dass der Körper sich anpasst und was ihr nun einen Vorteil verschafft.

Kate Weatherly wurde beim UCI DH World Cup in Leogang 4. | Bild: Bartek Wolinski

Es geht nicht darum was man in der Hose hat.

Testosteron ist ein ausschlaggebendes Hormon im Mountainbikesport. Es lässt einen Sportler aggressiver und somit schneller und zuversichtlicher fahren. Kate sagt, dass sie selbst ein ziemlich selbstbewusster Fahrer ist und deswegen viele Sprünge gemacht hat, die andere Mädchen nicht wagten und es eine Vertrauenssache ist. Das brachte der jungen Kiwi Dame einen zeitlichen Vorsprung.
Kate fing im Alter von 17 Jahren an Hormone einzunehmen und ihr Geschlecht anzupassen. Vor allem ihr Testosternspiegel musste gesenkt werden. Testosteron ist das Königshormon des Mannes und sorgt für Antrieb, sexuelles Verlangen und körperliche Fitness. Es lässt den Mann zum Mann machen, es lässt ihn Spermien produzieren, baut Muskelmasse auf und fördert den Bartwuchs. Ein Mangel an Testosteron verändert aber nicht nur die äußere Erscheinung. Er kann auch schwere psychische und gesundheitliche Folgen haben.

Kates Testosteronspiegel wurde durch die Hormonblocker unter den einer durchschnittlichen Frau gesenkt. „Ich habe auf der Strecke an Kraft und Geschwindigkeit verloren, obwohl ich sehr hart trainierte, es war demoralisierend.“ Oft verlieren Transgender Frauen Kraft, Geschwindigkeit und praktisch jede Komponente der sportlichen Leistungsfähigkeit. Niedriges Testosteron führt zu Muskelatrophie, Knochendichte und Muskelfaseränderungen

Während der Geschlechtsumwandlung beschloss Anton sich Kate zu nennen, denn das wäre der Name gewesen, den sich die Eltern ausgesucht hätten.
Familie Weatherly

Cycling New Zealand steht hinter Kate

Kate nahm mit 17 Jahren, während ihrer Hormonbehandlungen Kontakt mit Mountainbike NZ und Cycling NZ auf, die eine Transgender Richtlinie vorschreiben, wonach Transgender Personen „als dem Geschlecht zugehörig behandelt werden, in dem sie sich präsentieren […] es sei denn, dies verschafft ihnen einen unfairen Vorteil.“

Genauso wie viele andere Verbände auf der ganzen Welt schreibt Cycling NZ nach internationalem olympischen Richtlinien vor, dass Transgender Sportlerinnen den Testosteronspiegel im Serum seit mindestens 12 Monaten unter 10 nmol / l (Nanomol pro Liter) liegen muss. Der durchschnittliche Testosteronspiegel für junge Männer liegt bei 24,2 nmol / L und für Frauen bei 0,6 nmol / L.

Weatherly legte Blutuntersuchungen mit Werten im Bereich von 0,1 bis 0,9 vor. Dies ergab sich aus Injektionen des Medikaments Lucrin – das zur Behandlung von Prostatakrebs und im Wesentlichen als Form der chemischen Kastration angewendet wurde -, als sie mit 17 Jahren mit dem Übergang begann. Eine tägliche Einnahme von Cyproteronacetat, einem Anti-Androgen, das häufig von Transgender-Frauen angewendet wird, hält ihr Testosteron niedrig.

Hormonblocker drücken Kates Testosteronspiegel.

Es ist eigentlich ein Wunder, dass Kate überhaupt eine Athletin ist.

Kates Leistungen heute sind ein medizinisches Wunder. Als Kind war sie oft krank, unterentwickelt und hatte eine chronische Lungenerkrankung und verbrachte einen großen Teil ihres Lebens im Krankenhaus. „Ich fand es schwierig Sport zu treiben, weil ich sehr schnell schlapp und außer Atem war.“ Wegen ihres Gesundheitszustandes kam die erst mit 16/17 Jahren in die Pubertät und sodann merkte sie, dass irgendetwas mit ihrem Körper nicht stimmte. Nach monatelangen Psychologiesitzungen und Ärzteeinschätzungen nahm Anton dann Hormonblocker und wurde zu Kate. Anton wählte diesen Namen, weil seine Eltern ihn so genannt hätten, wäre er ein Mädchen geworden.

„Es gibt eine Menge Probleme, weil ich nicht so weiblich aussehe.“

Das Östrogen hat nicht so angeschlagen, wie es anschlagen hätte sollen. Im April 2016 hat das Hormon nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht und das war auch einer der Gründe warum sie erst in 2018/2019 in die Frauen Kategorie wechselte. „Ich habe eine Menge Probleme mit der Tatsache, dass ich nicht so weiblich aussehe, wie ich will – ich gehe in der Öffentlichkeit immer noch nicht als 100% weiblich durch.“

Ein Rennfahrer schrieb Kate eine Nachricht, dass sie den Sport ruiniere, weil sie als Mann im Frauenfeld antritt. Sie mache es den Frauen unmöglich an ihr vorbeizukommen. Doch diese Aussage widerlegt sie und sobald sie unbesiegbar scheint, legt sie den wettkampforientierten Sport beiseite.

Andere Kritiker schlugen vor, eine geschlechtsneutrale Klasse zu erschaffen, aber Kate fühlt sich nicht geschlechtsneutral, sondern definitiv als Frau.

Es gibt immer eine Debatte um die Balance zwischen Menschenrechten und sportlicher Fairness.

Falls Cycling NZ nur eine Frau nach Übersee zu den World Cup Rennen schickt, wird es weitere kritische Kommentare hageln. Kate hat Shania bei den National Champs geschlagen. Shania und ihr Vater Ash Rawson, BMX Entwicklungstrainer, haben alles darauf gesetzt, dass Shania an den World Cup Rennen in Übersee mit der Hilfe von Cycling NZ teilnehmen kann. Wird nur eine Frau unterstützt, muss Shania einstecken, auch Sponsoren werden sie als Zweitplatzierte weniger gut einschätzen.

Andrew Matheson, CEO von Cycling New Zealand, will dass Transgender Athleten nicht ausgeschlossen werden, aber gleichzeitig bleibt es ein übergeordnetes Ziel, einen fairen, sportlichen Wettbewerb zu gewährleisten. Kate hat sich als Mann in Bezug auf Knochenstruktur, Knochendichte, Muskelmasse und Lungenkapazität als Mann entwickelt, doch Kate hält die Richtlinien des Testosteronspiegels ein.

Kate Weatherly wird diskriminiert, weil sie nicht ganz aussieht wie eine Frau.

Kate hat vielleicht einen geringen physischen Vorteil, wenn sich ihr Körper bis zur Pubertät männlich entwickelt hat, doch in Bezug auf das psychische Wohlbefinden und die Belastung, die sie durchmachen muss, die Steine, die ihr in den Weg gelegt werden wie Umkleideräume, Diskriminierung, ihr äußeres Erscheinungsbild, hat sie einen schweren Rucksack zu tragen.

Mit 16 Jahren wurde eine Geschlechtsdysphorie festgestellt, das heißt, ihr Körper hat sich männlich entwickelt und ihr Gehirn weiblich. Das alles hat negative Auswirkungen auf ihr psychisches Wohlbefinden und all der Social Media Shit Storm, den sie ertragen muss, lässt die junge Sportlerin nicht auf das wesentliche konzentrieren, nämlich die Liebe zum Radfahren und Racen.

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Sunday was one of the happiest days of my life, after years of riding and working in the gym I finally scored my first World Cup podium, I was lucky enough at Crankworx Rotorua to win enough prize money to live off and have been training full time the whole off season, I’ve never trained so much or worked this hard and after pushing myself I finally did it. I’m gutted for marine cabirou crashing out on near the last corner on what could have been a winning run and would have loved to have seen her do her best run. However seeing how @fmdracing feels about me riding is crushing, a team I’ve looked up to my whole riding life and wanted nothing more than to be like, publicly sharing their discontent for me racing is horrible. To have a factory team ignore all my results that weren’t podiums (10th in Vallnord and 12th in Val Di Sole, 6th in Fort William) is very difficult and disheartening, this result isn’t sudden, I’ve been working at it for years and I finally made it, and to have people claim it’s because of something in my past, is honestly crushing, after training all day, 6 days a week to hear that it’s because of how I was born not how hard I work, it’s hard, none of my competitors were in the gym with me 3 years ago watching as my max lifts dropped and my races times plummeted, none of them saw the extra amount of work I put in just to keep my results at a plateau, having people who know very little about me or my life sharing opinions on a topic in which opinions don’t matter is hard, I’m aware the UCI may not have always done what people feel is best for the sport but this discussion is a whole lot bigger than us. It’s clear some people are never going to listen to me. I’ve looked up to these girls my whole riding life and I’m so in awe to be standing with them on the podium. I hope to do it many more times no matter what people say.

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