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World Cup 2014

World Cup aus Mechaniker-Sicht

Ben Arnott ist Mechaniker im Trek World Racing Team und dieses Jahr gibt er uns einen Hinter-die-Kulissen-Blick ins World Cup Geschehen! Lest hier seine Erfahrungen, die er im australischen Cairns gemacht hat!

Die Mechaniker-Perspektive, World Cup 2014, 2. Runde Cairns

Text: Ben Arnott

Während meiner Schulzeit ließ ich mich peinlicherweise von der australischen Soap-Opera „Neighbours“ infizieren, weshalb ich unbedingt mal nach Down Under fahren wollte. Als ich letztes Jahr Cairns im Rennkalender sah, kamen all die Erinnerungen  an die Ramsey Street wieder hoch und ich freute mich wahnsinnig auf Australien. Ich googelte direkt nach Cairns und checkte die Rennstrecke schonmal online.

Nach dem ersten Rennen in Südafrika hatte ich drei kurze Tage in der Heimat, in denen ich meine Freundin traf, meinen LKW-Führerschein endlich fertig machte und einen Riesenberg Wäsche zu Hause hatte. Danach machte ich mich direkt wieder auf den Weg zum Flughafen Edinburgh, um noch mehr Bonusmeilen zu sammeln. Der lange Flug nach Australien und zurück sollte mir den unglaublichen Gold- Status einbringen, der mich früher nicht die Bohne interessiert hätte. Aber jetzt, da ich so viel unterwegs bin, ist es eine wahre Erleichterung, wenn man in die klimatisierten Business Lounges darf, freie Verpflegung kriegt und sich ein bisschen von der Tatsache ablenken kann, dass man schon zwei Tage lange dieselbe Unterhose trägt. Ganz zu schweigen vom Anblick der frustrierten Business-Leuten, über die man sich köstlich amüsieren kann.

Den Anflug auf Cairns könnte man ungefähr mit der Szene in Jurassic Park vergleichen, in der die Protagonisten im Helikopter sitzen und die Insel ansteuern. Der Regenwald lag unter uns und der Himmel war extrem bewölkt, als wir ankamen. Das Erste, was einen geradezu erschlägt, wenn man aus dem Flugzeug steigt, ist die hohe Luftfeuchtigkeit. Uns war sofort klar, dass das ein heftiges Rennen werden würde, aber trotzdem waren wir erst mal völlig aus dem Häuschen aufgrund der vielen neuen Eindrücke. In einem klapprigen Van fuhren wir Richtung Unterkunft. Die Wohnung, die wir hatten, war perfekt für ein World Cup Rennen – weit genug vom Support Truck entfernt, mit einem riesigen Balkon mit Meerblick und einer großen Lounge in der Nähe, in der wir unsere Bikes sicher verstauen konnten. Die bunte Flora und Fauna erschlugen einen regelrecht. Als wir anfingen, auf dem Balkon zu arbeiten, ging die Sonne gerade unter und riesige Flughunde flogen über uns hinweg, während Geckos die Wände hoch krabbelten.

Hartes World Cup Leben

Nachdem wir die Bikes also schon am Vorabend zusammen gebaut hatten, fuhren wir am nächsten Tag sehr früh ins Fahrerlager. Die Rennstrecke in Cairns ist direkt neben der Uni auf einem großen Feld. Wie in Südafrika versorgten uns die Organisatoren mit großen Zelten, die  hier in Cairns allerdings mit einen Plastikboden ausgelegt waren. Zuerst hagelte es Kommentare wie „Wozu brauchen wir den? Der Boden ist staubtrocken und wir sind in Australien!“.  Tja, es stellte sich schnell heraus, dass die Postkarten-Bilder vom ewig sonnigen Australien mit Kängurus, die in der Sonne baden, und Typen, die sich mit Foster-Dosen zuprosten, nicht in der Nähe des Regenwalds aufgenommen wurden. Kurz nachdem wir im Fahrerlager ankamen, fing es an zu regnen – und wir reden hier nicht von leichtem Schauer, sondern von sintflutartigen Regenfällen, die auf uns hinabstürzten. Der rote Staub verwandelte sich blitzartig in orangen Lehm und alle Teams suchten sofort die Matschreifen.
Das Training verlief eigentlich wie immer, der einzige Unterschied war, dass wir unseren Junior Laurie Greenland für sein erstes World Cup Rennen dabei hatten, was bedeutete, dass er ziemlich früh starten musste (Junioren, Frauen und die Fahrer, die nicht zu den Top 80 gehören, haben andere Zeiten als die Top-Rider). Für Laurie ist es neu, in so einem großen Team zu fahren, aber er hat sich schnell eingewöhnt. Den ersten Morgen verbrachten wir damit, die Federgabel und den Dämpfer seines Bikes bei Fox checken zu lassen und die Grundeinstellungen für sein Bike-Setup vorzunehmen. Ich habe alle Einstellungen und Veränderungen sofort notiert, um im nächsten Jahr (falls Cairns im Rennkalender bleibt) das Bike schnellstmöglich optimal einstellen zu können.

Als die Elite Men dann fuhren, begannen wir damit, Laufräder zu präparieren und Ersatzteile rauszuholen, die wir eventuell benötigen würden. Greg startete auf normalen Reifen und blieb während des Trainings oft stecken. Er wechselte nur auf Matschreifen, wenn es richtig viel regnete und er das Gefühl hatte, dass der Extra-Grip den erhöhten Rollwiderstand auf der letzten Tretpassage wettmachen würde. In Vergleich zu Südafrika waren die Veränderungen an seinem Bike nur minimal, mit einem kleineren Kettenblatt und einer leicht höheren Front für den steilen Track. Jeden Tag wechselten wir die Bremsbeläge an Lauries und Gregs Bikes, die Bremsscheiben sobald sie überstrapaziert aussehen und gelegentlich auch die Kette. Der schonungslose Hochdruckreiniger würde Dein Bike innerhalb mehrerer Wochen demolieren, aber hier mussten wir nach jedem Run das Bike damit  säubern, um alles zu checken und für den nächsten Lauf einzustellen. Ich schaute jedes Mal nach, ob alles einwandfrei funktionierte, aber es gab zum Glück keine Defekte. Beim nächsten Rennen werden die Bikes eh wieder vollständig neu aufgebaut, so dass kaputte Dichtungen oder Lager erneuert werden.

Könnte auch in Glastonbury sein!

Am Morgen der Quali ähnelte das Fahrerlager den Impressionen, die man vom Glastonbury Festival kennt, nur hatten wir weniger Mädels in kurzen Röcken, mehr Matsch und schlecht gelaunte Mechaniker, die Bikes und Werkzeugkisten durch den aufgeweichten Boden schleppten. Die Organisatoren hatten nämlich das Befahren mit Vans untersagt, so dass wirklich jedes Teil zum Fahrerlager geschleppt werden musste. Der ursprünglich verspottete Plastikboden war nun unsere Rettungsinsel im Zelt, auf der sich Fahrer und andere Menschen drängelten, um nicht im Schlamm zu versinken. Worüber bisher noch nicht berichtet wurde, ist der Shuttle, der mit Toyota Landcruisern auf einer megasteilen Straße erfolgte, die anscheinend extra für das Rennen für unglaublich viel Geld präpariert wurde. Das war jedes Mal ein aufregender Trip nach oben und ich freute mich jedes Mal schon auf den nächsten Uplift.

Die Quali verlief problemlos und sowohl unser Junior als auch unser Elite-Greg fuhren eine gute Zeit. Am Tag des Rennens ging unser Coach Justin Leov mit Laurie zum Start, so dass ich im Fahrerlager bleiben konnte, um Gregs Bike vorzubereiten. Laurie kam als Elfter ins Ziel, was ein gutes Ergebnis ist, wenn man die widrigen Bedingungen beachtet. Sein erster World Cup im Team verlief reibungslos und ich bin zuversichtlich, dass wir mit ihm ein sehr gutes Teammitglied haben. Als wir für Gregs Run oben am Start waren und er sich gerade aufgewärmt hatte, wurde das Rennen plötzlich gestoppt. Offensichtlich hatte sich ein Fahrer verletzt und die Strecke blieb erst mal gesperrt – was unter diesen Umständen nichts Ungewöhnliches war. Als aber Peaty seinen Lauf absolvierte, wurde die Strecke erneut gesperrt, und wir waren ziemlich verwirrt und hofften, dass er sich nichts getan hatte. Von den Rennmarshalls gab es leider keine Info, warum die Strecke gesperrt war, nur dass sie für 10 Minuten, dann für 15 Minuten und so weiter nicht befahren werden durfte. Ein paar Fahrer regten sich dann auf, weil sie nicht wussten, wann ihr Start wäre und wann sie sich aufwärmen sollten. Nach weiteren 15 Minuten bekam ich eine SMS von meinem Bruder, der irgendwo in Kanada den Live-Stream schaute. Er schrieb, dass ein Typ das Bike des verletzten Fahrer genommen hätte, um es bergab zu fahren und dass er sich damit wohl auf die Schnauze gelegt hätte. Ich las es den Umstehenden laut vor und niemand konnte das so richtig glauben. Selbst ich nicht! Wahrscheinlich hat nun auch jeder das Video von dem Unfall gesehen, das ein Zuschauer mit seinem Handy aufgenommen hatte. Wir wussten zu dem Zeitpunkt allerdings nicht, wie schwer der Unfall war oder ob es überhaupt stimmte. Jedenfalls hellte es die Stimmung etwas auf, denn alle fanden die Vorstellung doch recht komisch. Irgendwann kam Greg dann an die Reihe, nach circa 41 Minuten Verspätung, aber das Steinfeld machte seinen Lauf zunichte. Das Vorderrad verkeilte sich und er flog über den Lenker. Das Rad war danach mehr als verbogen und lief nicht mehr einwandfrei durch die Gabel, so dass er seine Hoffnungen auf eine gute Zeit begraben musste. Er schwang sich nochmal drauf und fuhr in einer passablen Zeit bergab, was ihm viel Aufmerksamkeit einbrachte!

Ausflug zum Great Barrier Reef!

Cairns war eine super Erfahrung, aber ich bin froh, dass der Rest der Saison wieder mit dem kompletten Support stattfinden kann. Nach einem coolen Trip zum Barrier Reef waren Greg und ich noch ein paar Tage in Sydney. Ihr hört nach dem nächsten World Cup in Schottland wieder von mir.

Nach getaner Arbeit!

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