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DOWNHILL – RADFAHREN MAL ANDERS?

Die beiden Radsportarten könnten unterschiedlicher kaum sein. Der Rennrad-Fahrer ist meist in der Gruppe unterwegs. Dort ist er gefordert, im Kampf Mann gegen Mann, die Taktik des Gegners zu erkennen, dessen Körpersprache richtig zu lesen und seinen Angriffsstil daran auszurichten. In seine eigens angestrebte Taktik muss er dann aber auch irgendwie noch seine Teamkollegen einbinden. Der Gravity Mountainbiker agiert hingegen mehr als Einzelkämpfer primär gegen die Zeit. Er muss in möglichst kurzer Zeit eine ausschließlich bergabführende Strecke in gröbstem Gelände, gespickt mit natürlichen Hindernissen, bei Geschwindigkeiten bis über 70 km/h bewältigen. Dafür muss er sein Mountainbike jederzeit voll unter Kontrolle haben. Die Schwierigkeit beim Downhill fahren besteht gewissermaßen darin, permanent den schmalen Grat zwischen maximalem Tempo und geringer Sturzgefahr zu finden.

Der reiz am Downhill fahren

Das Spannende am Downhill fahren ist, die vielfältigen Anforderungen, die einem die zu durchfahrende Strecke bietet, möglichst schnell zu meistern. Dabei müssen Bodenwellen, lose Steine, glatte und diagonal zur Fahrtrichtung verlaufende Wurzeln, hohe Stufen, weite Sprünge bewältigt und starke Schläge hingenommen werden. Und das alles bei teils festem als auch losem Untergrund.

Hier kann sich also so richtig ausgetobt werden. Der Adrenalinkick ist vorprogrammiert, das haben Extremsportarten so an sich. Aber man muss es ja nicht gleich übertreiben. Bergab können allerdings sehr schnell sehr hohe Geschwindigkeiten erreicht werden.

Umso schneller der Fahrer wird, umso aktiver muss er bei jedem Hindernis mit entsprechender und ausgefeilter Technik reagieren. Dabei klettert der Puls gut und gerne auf 200 Schläge in der Minute und bleibt die gesamte Strecke auch konstant in diesem Bereich. Gut, dass so eine Strecke meist nach 20 Minuten durchfahren ist und der Körper sich anschließend wieder erholen kann.

Werfen wir in einem direkten Vergleich zum Rennrad einen Blick auf den Aufbau des Gravity Bikes, einer speziellen Sorte von Mountainbikes, so fällt der große Unterschied beider direkt ins Auge.

DAS gravity bike

Gravity Bikes sind universell einsetzbar: Sie können im Gegensatz zum klassischen Rennrad off- als auch onroad gefahren werden. Bei Nässe oder Glätte punkten sie mit deutlich besseren Fahreigenschaften. Durch das höhere Gewicht und die robustere Bauweise weisen sie allerdings eine niedrigere Geschwindigkeit auf als das Rennrad mit seinem vergleichsweise einfachen Radkonzept. Denn das Rennrad muss möglichst leicht sein, um seinen Zweck gut zu erfüllen.

Die hohe Geschwindigkeit und das grobe Gelände stellen besondere Anforderungen an die Technik eines Downhill Bikes. Die ausgefeilte Technik ist letztlich auch dafür verantwortlich, dass es ausschließlich zum Bergab fahren geeignet ist. Aus diesem Grund sind an den Downhill-Pisten auch oft Seilbahnen vorzufinden, die einen ähnlich wie in Skigebieten üblich, wieder zurück nach oben ziehen.

Rennrad
Foto: openClipart-Vectors (CC0-Lizenz)/pixabay.com)
Gravity Bike
Foto: openClipart-Vectors (CC0-Lizenz)/pixabay.com)

Ein kleiner Einblick in die Technik macht deutlich, was ein solches Bike leisten muss:

  • Die Bauteile des Bikes sind primär darauf ausgerichtet, eine hohe Stabilität zu erzeugen. Ein geringes Gewicht ist zwar auch hier wichtig, aber zweitrangig. Sie wiegen in der Regel zwischen 15 und 25 Kilogramm.
  • Stoßdämpfer mit einem großen Federweg an der Fahrradgabel wie auch am Hinterrad versuchen die starken Bodenunebenheiten vom Fahrer fernzuhalten und die Fahrsicherheit zu erhöhen.
  • Vollhydraulische Scheibenbremsen gewähren eine hohe Bremsleistung unter allen Witterungsbedingungen.
  • Der flache Lenkwinkel, die tiefe Front als auch das tiefe Tretlager und die hecklastige Sitzposition sorgen für einen optimalen Schwerpunkt und sind daher zum bergauf fahren ungeeignet.
  • Großvolumige und stabile Reifen (um 26 x 2,5“) verhindern das Plattfahren und Beschädigungen durch scharfkantige Steine.

Parks stellen ausrüstung und guides

Auch wenn sich mancher Biker einbilden mag, er könne eine Downhill-Strecke mit einem Rennrad bewältigen, sei doch auf die Gefahren hingewiesen, die bei 100 km/h abwärts über Stock und Stein (und weitaus schwierigeren Hindernissen) eintreten können. Aus diesem Grund ist eines verdammt wichtig: Die richtige Ausrüstung! Diese besteht in der Regel aus einem Vollvisierhelm, dem Oberkörperpanzer, einer Schutzbrille, Nackenstütze, Handschuhen, Ellbogen- und Knie-Schienbeinschonern.

Wie es aussieht, wenn ein Biker dennoch unbedingt mit einem Rennrad Downhill fahren möchte, seht ihr im folgenden Video. Immerhin stimmt die Schutzausrüstung. Aber dennoch: bitte NICHT nachmachen!

Wenn es euch nach dem Video gepackt hat und ihr es gerne selbst mal ausprobieren wollt, braucht es nun nur noch Gebiete mit Bergabfahrten. Aber kein Problem, in immer mehr Berggebieten sind mittlerweile ausgebaute Downhill-Strecken vorzufinden:

Leidenschaftliche Mountainbiker kommen in Oberösterreich voll auf ihre Kosten. Der oberösterreichische Wurbauerkogel in Windischgarsten bietet Downhill-Erfahrungen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden an, darunter auch familientaugliche Routen. Sowohl Schutzausrüstung als auch Bikes können vor Ort ausgeliehen werden und erfahrene Guides helfen dabei, an der eigenen Fahrtechnik zu feilen.

Richtig viel Abwechslung und Übungsparcours gibt es im nordrhein-westfälischen Rothaargebirge: Im Bikepark Winterberg gibt es neben Downhill- auch Northshore-, Slopestyle und 4-Cross-Strecken. Wichtig für den Anfänger ist bei einer solch großen Auswahl immer auf die Streckenbeschreibungen und deren Farbe zu achten. Die jeweiligen Strecken sind ähnlich wie Skipisten nach Schwierigkeitsstufen farblich gekennzeichnet. Blau ist dabei immer ideal für Anfänger und die schwarzen Strecken sollten bitte nur von geübten Fahrern genutzt werden.

Der französische Bike Park Châtel in der Region Portes du Soleil trumpft sogar mit insgesamt 16 Abfahrtsmöglichkeiten auf. Darunter finden sich verspielte Einsteiger-Trails, knackige Downhill-Abfahrten, aber auch heftige Mutproben. Aber keine Angst, vor kniffligen Sprüngen wird mit Schildern gewarnt.

Um sich beim Downhill fahren nicht in Gefahr zu begeben, sind eine ordentliche Portion Respekt und ein gesundes Maß an Selbsteinschätzung unbedingt von Nöten. Angst hingegen ist hier fehl am Platz. Mentale Stärke ist unabdingbar, wenn es darum geht, schwierige Passagen einer Strecke fehlerfrei zu meistern. Die kleinste Unsicherheit kann dabei schon zum Sturz führen: Der Körper blockiert und kann die geforderten feinmotorischen Bewegungen nicht mehr richtig ausführen.

Gefährlich wird es trotz Schutzausrüstung, wenn unerfahrene Fahrer sich selbst überschätzen oder unvorhergesehenes Materialversagen am Rad eintritt. Also hört auf euren Guide und steigert euch Schritt für Schritt.

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