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Jenseits von Finale – auf neuen Pfaden in Südfrankreich

Photos @David Schultheiß / Powered @Votec Bikes

In wenigen Tagen ist es wieder soweit: halb Mountainbike-Deutschland wird sich auf den Weg Richtung Süden machen um in Finale Ligure die Saison einzuläuten. Während andernorts um eine Liege am Pool gekämpft wird, geht es an Ostern in Finale um die letzten Plätze im Shuttle und die freie Fahrt auf dem Trail.  „Der selbe Campingplatz, die gleiche Bar, die lieblings Trails, hier isses doch immer so schön“ – diesem angenehmen Gefühl der Vertrautheit haben wir und letztes Jahr ausnahmsweise widersetzt. Wir ließen das Gewohnte hinter uns, um weiter westlich unser Glück zu suchen – denn keine 100km Luftlinie von Finale entfernt wartet ein einsames, sagenumwobenes Paradies: die Provence.

Die Hafenstadt Nizza ist das Tor zu einer dieser Regionen, die einen daran erinnern, dass man Europa eigentlich nie verlassen muss, um Abwechslung zu erleben:

auf kleinsten Raum geht es von mediterranem Klima und palmengesäumten Strandpromenaden bis hinauf in die maritimen Alpen. Dazwischen schlängeln sich einsame Straßen durch phantastischen Landschaften: zerklüftete Canyons, Berge aus schwarzer Erde und rotem Sandstein. Wie zur Hölle konnten ausgerechnet lilafarbene Lavendelfelder DAS Klischeebild der Provence werden?

Wir reisen mit unseren VW-Busses an, wollen mobil sein, jede Nacht woanders schlafen. Alles außer Routine und Gewohnheit. So wird auch der Weg zum Ziel und jede Autofahrt ein eigenes Erlebnis. Wir fühlen uns wie Entdecker, die mit jedem zurückgelegten Kilometer ein Stück weißen Fleck auf der Landkarte schrumpfen lassen. Die erste Nacht verbringen wir in Dignes-les-Bains, von da aus geht es weiter über Saint-André und Guillaumes bis zuletzt an die Küste. Unterwegs halten wir an, wo es uns gefällt:

Die Straßen sind oft so verlassen, dass David zum Bully-Fotografen mutiert und wir mit unseren Bussen mehrmals vor- und zurücksetzen, bis das richtige Motiv im Kasten ist. Fenster runterkurbeln,  Musik laut drehen und die Haare im Fahrtwind zerzausen lassen. So einfach geht Freiheit. Und am nächsten See anhalten und Kaffee kochen.

Doch trotz aller Trucker-Romantik sind es die Wege abseits der asphaltierten Straßen, für die wir gekommen sind.  Und so startet jeder unserer Tage mit dem Blick auf die Karte:

Welchen Berggipfel heute? Anders als in so manchen Alpenregionen gibt es in der Provence Tourismusinformationen, die einen mit ausgezeichnetem Mountainbike-Karten versorgen und noch dazu echte Insider-Tipps auf Lager haben. Einer von ihnen sind die Terres Noires, Hügellandschaften aus schwarzem Schieferkies. Auch ich kannte die Fotos der Transprovence, auf denen Fahrer beim Driften die schwarzen Kieselsteine fliegen lassen. Jetzt weiß ich: sie sind nichts im Vergleich zur Wirklichkeit. In den Terres Noires verliert man das Gefühl für Raum und Zeit, so sehr zieht dich diese unwirkliche Mondlandschaft in eine Traumwelt hinein, so unglaublich fühlt sich der Grip unter den Reifen an, so unendlich sind die Linien, die es auszuprobieren gilt.

In Guillaumes schließlich ist der Nationalpark des Portes du Mercantour zum Greifen nahe. Nachdem wir tagelang keine Menschenseele auf den Trails getroffen hatten und überzeugt waren, hier nun endgültig am Ende der Welt angekommen zu sein, begegnen uns zwei Locals.

Sie schließen sich uns an und nehmen uns mit auf ihre Strecken, darunter ein paar Stages aus einem Rennen der lokalen Rennserie Urge 100 Endurotour, feinste Natursingletrails, immer wieder gespickt mit Passagen durch die traumhafte schwarze Erde. Nicht nur die langen Bestenlisten auf Strava machen deutlich, dass es hier gar nicht so gottverlassen ist, wie es scheint – auch die Enduro World Series werden im September erstmalig hier zu Gast sein.

Einer der Verantwortlichen für den Besuch der Weltbesten ist Greg Germain, der die Urge Enduro Tour organisiert und schon während unseres Aufenthalts 2015 Andeutungen macht, dass Großes in Planung ist. Von ihm und seiner Guiding-Firma 1001 Sentiers lassen wir uns einen Tag shutteln und guiden. Greg ist das Inbild eines französischen Mountainbikers:

windschnittig, durchtrainiert, braungebrannt und gruselig schnell. Er nimmt uns mit auf die gefühlten 1001 Kilometer Singletrail um die verschlafenen Orte Sospel und L’Escarène. Greg ist überzeugt, in einem der besten Bike-Gebiete überhaupt zu leben: „Im Winter, wenn oben Schnee liegt, biken wir von 1000m bis zum Meer. Wenn es im Sommer zu heiß ist, starten wir ganz oben und fahren bis auf 1000m ab”.  Anders als in Finale sind hier nur wenige Abschnitte extra geshapt, die meiste Zeit fahren wir, wie schon die letzten Tage, über Natur-Singletrails. Mal flowig, mal widerspenstig, mal zum Verzweifeln verblöckt und technisch.

Es gibt keinen Lieblingstrail. Kein verhasstes Steinfeld, keine Routine, kein Automatismus sondern einfach nur Neues. Alles ist frisch, ungewohnt und gräbt sich damit doppelt so tief in die Erinnerung ein.

Es ist genau dieses Gefühl nachdem ich mich so wahnsinnig sehnen werde, wenn ich in nächste Woche auf der Autostrada 10  vor der Ausfahrt Finale Ligure den Blinker setze.

DIe Bike crew stellt sich vor –

Hannah Röther

Beruf: Sozialpädagogin
Lieblingstrail: Hängt meistens vom letzten Reiseziel ab…im Moment ist es „Carbonai“ bei Punta Ala
Bike:  VOTEC VM

 

Bastian Höffgen

Beruf: Forstingenieur / Baumpflege
Lieblingstrail: Meine Hometrails in Freiburg sind mir natürlich ans Herz gewachsen, aber ansonsten gibt’s einfach zu viele unterschiedliche, unglaublich gute Trails, um nur einen zu benennen.
Bike:  VOTEC VM

Alle Photos @ David Schultheiß

Powered by VOTEC

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